Pressestimmen

Buchrezension in den BDK-Mitteilungen 2.2019

SUSANNE SZEPANSKI, ARCHITEKTIN UND AUTORIN
ARCHITEKTUR UND SCHULE
Initiative der Hamburgischen Architektenkammer

Kunstgeschichte und einzelne Kunstwerke werden hier zum Ausgangspunkt für Lernen und Leben. 

„Ich hielt gerade erst gestern das Buch „Kind und Kunst“ in Händen, und war sehr positiv davon angetan – Format, die Aufmachung. Beim schnellen Durchblättern erkennt man schon den besonderen Ansatz und auch den Tiefgang, wie hier mit Kindern gearbeitet wurde.“

REZENSION VON MARTIN OSWALD (KUNST+UNTERRICHT 427-248, 2018)

Mit Kunst zur Kunst finden

Birte Abel-Danlowski / Malschule in der Kunsthalle e.V.  (Hrgs.): Kind und Kunst. Mit Kindern die Kunstwelt betreten. München: kopaed 2018.   184 Seiten mit zahlr. Illustrationen. ISBN 978-3-86736-492-8  Buchhandelspreis: 20 Euro

Die beste Kunstvermittlung ist jene, die gar nicht erst versucht, Kunst zu vermitteln, sondern zu verstehen. Diesem hohen Anspruch, „Kunst und Kunstgeschichte in Verbindung mit ihrem zentralen Gegenstand, der Kunst, anschaulich, erlebbar und verstehbar zu machen“, werden die Kunst- und Museumspädagogen der Hamburger Kunsthalle seit nunmehr über 50 Jahren gerecht. Aus Anlass dieses besonderen Jubiläums der Malschule in der Kunsthalle entstand als Gemeinschaftswerk von 21 Kollegen und Kolleginnen ein sowohl inhaltlich wie gestalterisch höchst anregender Band, der die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Museum nicht nur dokumentiert, sondern vorbildhafte kunstpädagogische Wege aufzeigt. Das Buch eignet sich somit als praxisnahes Lehrbuch für alle, welche Kunst nicht nur als Anlass, sondern als Basis für einen erweiterten Erkenntnisgewinn annehmen. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Auseinandersetzung im schulischen oder außerschulischen Kontext stattfindet. Was im Buch an best-practice-Beispielen ausgebreitet wird, gilt für beide Bereiche. Freilich dürfen sich jene, die der Kunst im Original begegnen dürfen, besonders glücklich schätzen. Das wusste im übrigen schon Alfred Lichtwark (1852-1914), der erste Direktor der Hamburger Kunsthalle, als er Ende des 19. Jahrhunderts Schülerinnen und Schüler regelmäßig zu „Übungen in der Betrachtung von  Kunstwerken“ ins Museum einlud und damit zum Begründer der Museumspädagogik avancierte. 

Das Spektrum der knapp 50 ausgewählten Werke aus der Sammlung – vom Tafelbild Caspar David Friedrichs über Fotografien von Karl Lagerfeld bis hin zur Installation Christian Boltanskis – ist breit genug, um das ganze Feld kunstpädagogischer Reflexion und Praxis abzustecken. Egal ob es um motivische Teilaspekte wie die Nelke in der Hand der „Flora“ bei Jan Massys (1559), um das Prinzip des Seriellen bei Andy Warhols „Marilyn“ (1967), um die Unschärfe bei Gerhard Richters „S. mit Kind“ (1995) oder um die Darstellung von Zerstörung und Gewalt bei Meister Franckes „Martyrium des Heiligen Thomas“ (1426) geht, stets führt der Weg vom Kunstwerk über die Reflexion zur eigenen Praxis, die nicht nachahmt, sondern eigene Wege und Lösungen anstrebt. Dies führt letztlich immer wieder zum Kern dessen, was künstlerisches Tun – egal ob betrachtend oder ausübend  – ausmacht: zurück zu sich selbst. Besonders anschaulich wird die mustergültige kunstpädagogische Praxis bei einem so sensiblen Thema wie „Mord und Totschlag in der Kunst“, wo das Bildangebot vom figurativen Werk der Frührenaissance bis hin zu abstrakten Werken von WOLS und Cy Twombly führt, die dann Impulse für eigene Bildlösungen jenseits der Versprachlichung zum Thema liefern. Exemplarisch werden die Ergebnisse dieser Praxis in jeweils kleinen Bildstrecken gezeigt, nicht als Muster, sondern wiederum als Wahrnehmungs- und Reflexionsangebot an die Leser,  die über davon angeregte Lernarrangements vielleicht ganz andere Impulse setzen. 

Rezension auf der Bücherseite der Zeitschrift Sonderheft Grundschule Kunst  Cornelsen Verlag  (München 2019)

Birte Abel-Danlowski / Malschule in der Kunsthalle e. V. (Hrsg.) Kind und Kunst. Mit Kindern die Kunstwelt betreten kopaed Verlag, München 2018, 188 Seiten Farbdruck, € 20,00

Wie der Untertitel verrät, geht es in diesem Buch im wahrsten Sinne darum, mit Kindern die Kunstwelt zu betreten: Bei Rundgängen durch die Hamburger Kunsthalle entdecken Kinder spielerisch die Werke berühmter Künstlerinnen und Künstler und können schließlich im Atelier inspiriert davon selbst kreativ werden! Der anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Malschule der Hamburger Kunsthalle und des 20-jährigen Bestehens des Fördervereins der Malschule erschienene Band umfasst die gesammelten Projekte von 21 Kunstpädagogen und bietet damit zahlreiche Anregungen für die eigene kunstpädagogische Arbeit. Einleitend wird die historische Entwicklung der Museumspädagogik mit dem Schwerpunkt auf dem Wirken ihres Begründers Alfred Lichtwark erläutert. Der Fokus des Buches liegt jedoch eindeutig auf den Erfahrungen aus der Praxis: Die Anleitungen für Kunstaktionen mit Kindern, Jugendlichen
und Erwachsenen zeigen, wie der Vermittlungsauftrag aktiv umgesetzt werden kann. Die partizipative Herangehensweise lädt dazu ein, Kunst mit allen Sinnen zu begegnen, und gibt den individuellen Entfaltungsmöglichkeiten Raum. Der ansprechend gestaltete Band mit zahlreichen großfl ächigen Fotos der Kunstwerke und entstandenen Werkstücke enthält zu jedem Projekt eine Beschreibung des Herstellungsprozesses, didaktische Hinweise und Materialangaben sowie Hintergrundinformationen zu berühmten Kunstschaffenden und verschiedenen Epochen. So gelingt es, einen kindgerechten Zugang zur Kunstwelt zu schaffen und die eigene Kreativität zu fördern! Ein praxisorientierter Band, der kunstpädagogische Erfahrungen und erprobte Projekte aus der Museumsarbeit bündelt und damit eine Inspirationsquelle für zuhause, für den Kunstunterricht und besonders für eigene Museumsbesuche darstellt.